„Puszta-Populismus – Viktor Orbán, ein europäischer Störfall ?“ Lesung und Diskussion mit dem Autor Stephan Ozsváth.

Mittwoch, 24. Januar 2018 – 19 Uhr – EuropaPunktBremen im Haus der Bremischen Bürgerschaft, Am Markt 20, 28195 Bremen.

EINTRITT FREI.

Veranstalter ist „Kafé Centrál – Deutsch-Ungarisches Kulturforum Bremen“ in Kooperation mit Dr. Henrike Müller (MdBB), Vorsitzende des Ausschusses für Bundes- und Europaangelegenheiten, internationale Kontakte und Entwicklungszusammenarbeit der Bremischen Bürgerschaft.

 

Stephan Ozsváth (Jahrgang 1965) lebt und arbeitet in Wien und Berlin. Sein Vater hat 1956 an den Demonstrationen in Budapest teilgenommen und flüchtete dann nach Deutschland, das er schon aus der Kriegsgefangenschaft kannte. Seit mehr als einem Jahrzehnt hat Stephan Ozsváth den Rechtsruck in Ungarn publizistisch begleitet. In seinem Buch zeichnet der ehemalige Südosteuropa-Korrespondent der ARD nach, warum Viktor Orbán so erfolgreich im eigenen Land ist und wie er Ungarn in einen illiberalen Staat umbaut – und das mitten in der EU.

Ein Schlüssel ist Orbáns Rhetorik, meint der Journalist. Der „Puszta-Populist“ Orbán betreibe eine Sündenbock-Fabrik,  erzeuge so ein Klima des permanenten Wahlkampfs und greife dabei tief ins kollektive Gedächtnis der Ungarn. Der ungarische Ministerpräsident polarisiert damit: Ungarn ist ein tief gespaltenes Land, sein harter Kurs gegenüber Flüchtlingen, seine Rhetorik, seine Machttechniken finden Nachahmer im europäischen Ausland. Orbán ist zur Blaupause für andere Autoritäre geworden. Im Frühjahr 2018 will er erneut die Wahlen gewinnen. Sein erklärtes Ziel: Die Regierungspartei Fidesz soll auf lange Sicht das zentrale „Kraftfeld“ in Ungarn sein. Bislang ist ihm das gelungen, weil er das nölkisch-nationale Lager auf seine Seite ziehen konnte und die links-liberale Opposition gespalten ist.

Aber Stephan Ozsváth erkennt auch ermutigende Zeichen: Je autoritärer Orbán regiert, desto mehr verweigern sich die Ungarn. Viele Tausende kehren ihrer Heimat den Rücken. Oder sie organisieren den Widerstand im eigenen Land: „Eine Million für die Pressefreiheit“, die Satirepartei „Zweischwänziger Hund“, Parteineugründungen wie die grüne LMP oder die Momentum-Bewegung, mutige Nichtregierungsorganisationen wie das Helsinki Komitee, aber auch Investigativjournalisten wie die von Átlátszó oder Direkt36 – sie alle sind zarte Pflänzchen des Widerstands gegen den „Pusztapopulismus“. Selbst die Kollegen der eigenen Parteienfamilie EVP gehen zunehmend auf Distanz. In Ungarn ist die Europafahne mittlerweile zum Symbol der Opposition gegen Orbán geworden: Am Parlament flattert die blaue Flagge mit dem Sternenkranz nicht – auf den Demonstrationen in Budapest schon.

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